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Wilhelmshaven: Jede Form von Gewalt ist konsequent zu verurteilen!

Pressemeldung vom 15. Mai 2014, 09:14 Uhr

„Jede Form von Gewalt ist konsequent zu verurteilen, egal ob körperlicher oder virtueller Art. Ebenfalls sind Aufrufe zur Selbstjustiz nicht akzeptabel. Die Beschuldigten werden sich nach Abschluss der Ermittlungsarbeit einem gerichtlichen Verfahren zu stellen haben.“ Mit diesen klaren Worten äußert sich Wilhelmshavens Oberbürgermeister Andreas Wagner zu einem Vorfall, bei dem in Wilhelmshaven zwei Jugendliche ein Mädchen geschlagen und getreten haben und ein Video-Film des Vorfalls im Internet für eine breite Diskussion gesorgt hat.
Gleichzeitig weist der Verwaltungschef darauf hin, dass diese brutale und erschütternde Form der Jugendgewalt kein örtliches Phänomen ist, sondern – leider – bundesweit zu beobachten ist.
Er verweist darauf, dass in der Stadt Wilhelmshaven die Zivilcourage eine hohe Bedeutung hat. „Als einzige Kommune in Niedersachsen werden in der Jadestadt jedes Jahr im März Personen öffentlich gewürdigt und ausgezeichnet, die sich vorbildlich zivilcouragiert verhalten haben“, so der Oberbürgermeister.

Ausweislich der Daten aus dem Jahresbericht „Jugendkriminalität und Jugendgefährdung 2013“ der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland ist die Anzahl der minderjährigen Tatverdächtigen im Bereich gefährliche Körperverletzung von 179 (2008) über 142 (2011) auf 93 (2013) zurückgegangen. Auch die Anzahl der Opfer von Straftaten im Alter von 0 – 18 Jahren (alle Deliktarten) hat sich seit 2010 von 604 auf 511 im Jahr 2013 verringert. Diese Daten geben zwar keinen Anlass zur Entwarnung, verdeutlichen jedoch, dass tendenziell eher ein Rückgang als eine Zunahme von Gewaltdelikten unter Jugendlichen festzustellen ist. Einen ähnlichen Befund hat der bekannte Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer vom kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen jüngst auch für das gesamte Land ausgeführt.
Der Oberbürgermeister verweist darauf, dass die Präventionsarbeit unter seiner Verantwortung ein hohes Gewicht genießt und im Rat der Stadt eine breite Mehrheit diesen Weg unterstützt. „Prävention findet in Wilhelmshaven nicht nach Kassenlage und in Form von anlassbezogenem Aktionismus statt, sondern ist ein von breitem politischen Konsens getragener strategischer Handlungsschwerpunkt. In Wilhelmshaven wurde auf Grundlage einer gemeinsam mit der Universität Potsdam 2011 durchgeführten Untersuchung ein umfassendes Präventionskonzept mit vielfältigen konkreten Maßnahmen verabschiedet und mit personellen und finanziellen Ressourcen hinterlegt“, so Wagner.
Carsten Feist, zuständiger Referatsleiter in der Verwaltung und Leiter des Jugendamtes der Stadt Wilhelmshaven, führt konkrete Beispiele der Präventionsarbeit in der Stadt an.

Anti-Gewalt-Training, Soziale Trainingskurse, Anti-Aggressivitäts-Coaching und Täter-Opfer-Ausgleich im Rahmen der Jugendgerichtshilfe mit 0,5 Stelle im Jugendamt und 733 eingekauften Fachleistungsstunden durch freie Jugendhilfeträger.
Coolness-Training, Coaching in gewaltfreier Kommunikation und soziales Kompetenztraining durch den Jugendsozialdienst an verschiedenen Schulen in der Stadt Wilhelmshaven.
Selbstbehauptungstraining aller 1. Klassen, Einrichtung von Trainingsräumen an drei Schulen, Sozialtrainings in verschiedenen Grundschulen und jährliche Vorführung des bundesweit bekannten Theaterprojekts „Geheimsache Igel“ in den Grundschulen durch den Fachdienst Schulsozialarbeit.
Ausbildung und Einsatz von insgesamt 14 Medienlotsen durch Jugendamt, Polizei und Jugendhilfeträger in Wilhelmshaven.
Selbstbehauptungstraining speziell für Mädchen durch den Verein zur Förderung der kommunalen Prävention in Wilhelmshaven e.V. (VKP).
Einrichtung eines hauptamtlich besetzten Präventionsbüros im Rathaus (2011).
Einrichtung eines kommunalen Ordnungsdienstes in Kooperation mit der Polizei 2011.
Einführung der Videographie in der Innenstadt in Bereichen mit deutlich erhöhtem Aufkommen von Straftaten insbesondere im Bereich der Rohheitsdelikte durch die Polizei mit Unterstützung der Stadt Wilhelmshaven.
Oberbürgermeister Wagner stellt klar, dass das Opfer und seine Familie von den städtischen Ämtern jede von dem Mädchen und ihren Eltern gewünschte Hilfe erhalten wird.
Abschließend verweisen Wagner und Feist darauf, dass sich trotz aller Präventionsbemühungen Straftaten niemals vollständig verhindern lassen, zumal durch einen inflationären Medienkonsum und eine permanente Absenkung der Hemmschwelle gegenläufige gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen die pädagogische Arbeit erschweren. „Insofern sind alle aufgezeigten Präventionsangebote durch Jugendamt und Schulen als Ergänzung der Erziehungsverantwortung der Eltern zu verstehen – nicht als deren Ersatz. Die Wirksamkeit der Präventionsarbeit lässt sich sicher noch verbessern, wenn zusätzliche Mittel vom Bund und vom Land, z.B. für Schulsozialarbeit, zur Verfügung gestellt werden“, so Jugendamtsleiter Feist.

Quelle: Stadt Wilhelmshaven

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