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Theater Bremen GmbH: Premiere Musiktheater – Der fliegende Holländer

Pressemeldung vom 5. September 2013, 13:30 Uhr

Sebastian Baumgarten inszeniert die Oper von Richard Wagner – Premiere am Sonntag, 15. September um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz

Mit der Produktion „Der Fliegende Holländer“ geht jetzt auch die Musiktheater-Sparte des Theater Bremen in die neue Spielzeit 2013/14. Die Premiere von Richard Wagners romantischer Oper ist am 15. September ab 18 Uhr im Theater am Goetheplatz zu erleben. Es inszeniert Sebastian Baumgarten.

Im Wagner-Jahr widmet sich das Theater Bremen mit dem „Fliegenden Holländer“ einem frühen Werk des Komponisten. Sebastian Baumgarten setzt mit seiner Inszenierung die im „Freischütz“ begonnene Beschäftigung mit den Ambivalenzen der deutschen Romantik fort.

Zum Werk: Das Verdrängte hat die unangenehme Angewohnheit, sich doch immer mal wieder zu melden. In „Der Fliegende Holländer“ taucht es alle sieben Jahre in Form eines Geisterschiffes auf den Weltmeeren auf, sehnsüchtig erwartet von der Kaufmannstochter Senta. Doch das Schiff bringt die vermeintlich heile Welt ins Wanken… Aus Riga floh der Komponist Richard Wagner vor seinen Gläubigern nach London und entging dadurch nicht nur den finanziellen Forderungen, sondern fand auch noch einen Opernstoff: „Die Seefahrt wird mir ewig unvergesslich bleiben; sie dauerte drei und eine halbe Woche und war reich an Unfällen“, erinnert sich Richard Wagner in der „Autobiographischen Skizze“. Und weiter: „Dreimal litten wir vom heftigsten Sturme, und einmal sah sich der Kapitän genötigt, in einem norwegischen Hafen einzulaufen. Die Sage vom fliegenden Holländer, wie ich sie aus dem Munde der Matrosen bestätigt erhielt, gewann in mir eine bestimmte, eigentümliche Farbe, die ihr nur die von mir erlebten Seeabenteuer verleihen konnten.“ Doch war es nicht nur die selbsterlebte Seereise, die künstlerischen Niederschlag fand. Denn eigentlich entnahm Wagner den Stoff um einen Kapitän, der einen Pakt mit dem Teufel schließt und verflucht wird, so lange auf See zu kreuzen, bis eine Frau ihm Treue bis in den Tod hält, einer Erzählung Heinrich Heines. Ging es bei Heine in ironischem Ton um die vermeintlich törichte Idee, sein Heil von der Treue einer Frau abhängig zu machen, so wird daraus bei Wagner tödlicher Ernst. Den Moment der erotischen Erfüllung bei Heine verklärt Wagner zur romantischen Erlösung. Dass es bei der Auseinandersetzung mit dem „Fliegenden Holländer“ ganz fruchtbar sein kann, den Weg Wagners ein Stück zurück zu gehen und sich der Herkunft des Stoffes aus der Sphäre der Schauerstücke und Jahrmarkts-Spektakel zu erinnern, schlug Ernst Bloch bereits 1929 in seinem Aufsatz „Rettung Wagners durch surrealistische Kolportage“ vor. „Schräg wird Nahes seit je am besten gesehen“, heißt es. Und er fährt fort: „Man muss Wagner hören lernen, wie man Karl May verschlang, mit ihm auf den Jahrmarkt gehen. Dann hören die Phrasen auf, weil sie noch greller werden, auch das Züchtige verlieren, das sich feierlich nennt.“

Regisseur Sebastian Baumgarten sagt: „In Wagners ‚Fliegendem Holländer‘, der formal eher dramatische Ballade als Oper ist, trifft die schuldbeladene deutsche Militärgeschichte in Form des untoten Kapitäns auf eine erlösungswillige Germania. Verdrängte Aspekte der deutschen Vergangenheit und die Ambivalenzen der deutschen Romantik spielen dabei eine zentrale Rolle – ebenso wie der Versuch einer Schaubudenästhetik, der wichtige Traditionsbezüge des Stoffes aufgreift und in eine affirmative Bühnensprache übersetzt.“

Sebastian Baumgarten inszeniert nach „Der Freischütz“ aus der vergangen Spielzeit zum zweiten Mal in Bremen. Seit 1992 arbeitet er als Regisseur sowohl im Schauspiel als auch im Musiktheater. Für seine „Orest“-Inszenierung 2006 an der Komischen Oper Berlin wählten ihn die Kritiker der Zeitschrift „Opernwelt“ zum Regisseur des Jahres. Seit Jahren zählt er zu den wichtigsten Regisseuren im deutschsprachigen Raum. Er inszenierte unter anderem in Bayreuth und war in diesem Jahr mit Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Premiere: 15. August 2013, 18 Uhr im Theater am Goetheplatz

Quelle: Theater Bremen GmbH

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