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Theater Bremen GmbH: Premiere im Musiktheater – „Simplicius Simplicissimus“

Pressemeldung vom 16. Januar 2017, 16:15 Uhr

Die nächste Musiktheaterpremiere findet am Samstag, 28. Januar, um 19.30 Uhr im Theater am Goetheplatz statt: aufgeführt wird – zum ersten Mal überhaupt am Theater Bremen – Karl Amadeus Hartmanns Oper „Simplicius Simplicissimus“ nach dem Schelmenroman von Grimmelshausen. Regie führt Tatjana Gürbaca, die erstmals seit sechs Jahren wieder in Bremen inszeniert, die musikalische Leitung hat der frühere 1. Kapellmeister Clemens Heil, der jetzt als Gast ebenfalls nach Bremen zurückkehrt. In der Titelrolle ist Marysol Schalit zu sehen und zu hören, als Einsiedel Luis Olivares Sandoval, als Gouverneur Christian-Andreas Engelhardt, als Hauptmann Patrick Zielke und als Landsknecht Birger Radde. Weiter mit von der Partie sind Kammersänger Loren Lang , Tänzerin Nora Ronge sowie die Kinder Max Geburek und Constantin Hussong, die alternierend die Rolle des Sprechers übernehmen.

Den titelgebenden (Anti-)Helden verschlägt es im Laufe des Romans in zahlreiche Städte und Länder; Hartmann und sein Librettist Hermann Scherchen konzentrierten sich in ihrer Opernfassung auf drei Szenen aus der Kindheit und Jugend des Simplicius Simplicissimus. „Da wird ein Menschlein in die Welt geworfen, das staunend da steht und sich seinen Reim machen muss auf das, was es da sieht“, beschreibt die Regisseurin die Ausgangssituation. Hartmanns 1934 und 1935 geschriebene Oper, die erst 1949 zur Aufführung kam und dem Komponisten als Folie für die eigene Zeit diente, spielt im 30-jährigen Krieg, und schon die erste Szene handelt davon, dass der Hof, auf dem der weltfremd-naive Bauernjunge aufwächst, niedergebrannt wird. Simplicius ist der Einzige, der überlebt. Im zweiten Bild trifft Simplicius auf einen Einsiedler, der ihn erzieht und belehrt, ihm das Leben nahebringt, ehe er sich nach zwei Jahren ins Grab legt, da er seine Zeit als gekommen sieht. Vorher gibt er dem Jungen aber noch seinen Namen – Simplicius Simplicissimus, der Allereinfältigste. Im dritten und letzten Bild wird Simplicius zum Gouverneur gebracht, der sich darüber amüsiert, dass Simplicius immer die Wahrheit sagt, und ihn zum Narren macht. Am Ende wird die gesamte Hofgesellschaft getötet; Simplicius wird als Einziger verschont und bleibt alleine zurück.

Zu seiner Musik schrieb der Komponist: „Auf dem Boden der Dichtung bewegt sich die Musik in entsprechenden Kontrasten zwischen Bänkelgesang und Choral, streut liedartige Gebilde zwischen psalmodierendes Recitando und verdichtet sich mehrmals zum Symphonischen. So entsteht ein Zusammenhang von Stücken, die in ihrer formalen Konsistenz die Erregung, aus der sie entsprungen sind, nicht verleugnen können.“ Tatjana Gürbaca sagt zum „Simplicius“: „Es ist ein faszinierendes Buch über den 30-jährigen Krieg, gewalttätig und gewaltig. Und da es um Europa und all die anderen wichtigen Fragen geht, ist der Stoff auch heute sehr relevant.“ Zumal Hartmann seine Oper stets als Dokument der Menschlichkeit gegen die Unterdrückung verstanden wissen wollte. Das Stück enthalte eine auch heute sehr wichtige Moral: „Es heißt ja darin, dass der Seelenschatz abhandengekommen ist. Es geht um den Verlust des Seelenschatzes, die Gefahr der Verrohung. Wir werden aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen, unsere Empathiefähigkeit zu schulen.“ Tatjana Gürbaca studierte Regie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. 2000 gewann sie den internationalen Regiewettbewerb „Ring Award“ in Graz. Es folgten Engagements an Häusern wie der Staatsoper Unter den Linden, Deutsche Oper Berlin, Volksoper Wien, Oper Graz, Deutsche Oper am Rhein, Norske Opera in Oslo, dem Prinzregententheater München sowie an der Oper Köln, am Nationaltheater Mannheim, am Opernhaus Zürich und am Aalto-Musiktheater Essen. Für die Inszenierung von Wagners „Parsifal“ an der Vlaamse Opera Antwerpen wurde sie 2013 von der Zeitschrift Opernwelt zur „Regisseurin des Jahres“ gekürt und 2014 in London mit dem International Opera Award in der Kategorie „Anniversary Production (Wagner)“ ausgezeichnet. Von 2011 bis 2014 war sie Operndirektorin am Staatstheater Mainz. Nach Tschaikowskys „Mazeppa“ und „Eugen Onegin“ sowie Ligetis „Le Grand Macabre“ kehrt sie jetzt für den „Simplicius Simplicissimus“ an das Theater Bremen zurück. Premiere am Samstag, den 28. Januar um 19.30 Uhr, Theater am Goetheplatz

Musikalische Leitung: Clemens Heil Regie: Tatjana Gürbaca Bühne und Licht: Klaus Grünberg Kostüme: Silke Willrett Chor: Alice Meregaglia Dramaturgie: Caroline Scheidegger

Mit: Christian-Andreas Engelhardt, Loren Lang, Birger Radde, Nora Ronge, Luis Olivares Sandoval, Marysol Schalit, Patrick Zielke sowie Max Geburek/Constantin Hussong

Quelle: Theater Bremen GmbH

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