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PETA Deutschland e.V.: Trotz Besucherrückgang: Zoo Hannover plant millionenschweren Ausbau

Pressemeldung vom 14. Juli 2016, 14:38 Uhr

PETA kritisiert Mittelverwendung als Fehlinvestition

Mittel für den falschen Zweck: Der Zoo Hannover hat für das erste Halbjahr 2016 einen Besucherrückgang von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 550.000 Gäste bekannt gegeben. Schon vom Rekordjahr 2011 bis zum Jahr 2015 war die Anzahl der Besucher bereits um über 28 Prozent zurückgegangen. Dem rückläufigen Interesse wollen die Zooverantwortlichen mit neuen Attraktionen begegnen. Der Zoo kündigte für die nächste Dekade Investitionen in Höhe von 71 Millionen Euro im Rahmen des „Masterplans 2025+“ an. Die Tierrechtsorganisation PETA übt nun scharfe Kritik an der Mittelverwendung. Für den hohen Millionenbetrag ließen sich große Teile der letzten natürlichen Lebensräume bedrohter Tierarten effizient und langfristig in ihren Herkunftsländern sichern. Artenschutzorganisationen und Regierungen fehlen jedoch die finanziellen Mittel für ausreichende Schutzmaßnahmen. Zoos stoßen zudem bei immer mehr Menschen auf Ablehnung: Eine repräsentative Meinungsumfrage im Dezember 2015 ergab, dass mit 49 Prozent die Mehrheit der Deutschen das Einsperren von exotischen Tieren für moralisch bedenklich hält. Lediglich 37 Prozent äußerten keine Bedenken [1]. PETA fordert die Region Hannover auf, keine neuen Steuergelder für den Zoo bereit zu stellen, sondern in einem ersten Schritt den Zoo durch die Abgabe von Tieren drastisch zu verkleinern.

„Der Besucherrückgang im Zoo Hannover zeigt, dass es immer mehr Menschen leid sind, eingesperrte und sichtbar verhaltensgestörte Tiere anzuschauen. Die Haltung von Tieren in Zoos führt weder zu mehr Artenschutz noch zu mehr Bildung“, so Peter Höffken, Wildtierexperte und Fachreferent bei PETA. „In dieses bodenlose Fass Millionen von Steuergeldern zu werfen, ist unverantwortlich.“

Vor wenigen Wochen gab der Bürgermeister von Buenos Aires bekannt, den dortigen Zoo nach 142 Jahren aufzulösen, weil das Ausstellen von Tieren nicht der richtige Weg sei, sie zu schützen. Die Tiere sollen frei gelassen oder in Schutzgebiete umgesiedelt werden. Der Zoo wird nur noch als Auffangstation fungieren.

PETA setzt sich grundsätzlich für ein Haltungsverbot von exotischen Tieren in Gefangenschaft ein. Tiere in zoologischen Einrichtungen weisen durch die artwidrigen Haltungsbedingungen häufig schwere Verhaltensstörungen auf. Auswilderungen sind insbesondere bei den bedrohten Tiergruppen wie Menschenaffen, Eisbären oder Großkatzen nicht möglich, weil die Tiere im Zoo die dafür notwendigen Verhaltensweisen nicht erlernen können. Besucher erfahren in Zoos nichts über die natürlichen Bedürfnisse und Lebensverhältnisse von Tieren.

Viele Natur- und Artenschützer, die in Afrika und Asien für den Schutz der letzten Lebensräume bedrohter Arten kämpfen, sind zunehmend empört über die Zuwendungen in Millionenhöhe, die Zoos weltweit für die Haltung und Zucht von Tierarten bekommen, die ohnehin niemals ausgewildert werden können. Der Chefberater der Vereinten Nationen für Menschenaffen, Ian Redmond, kommentierte in einem Interview schon 2007 das damals neue Gorillagehege im Londoner Zoo: „Fünf Millionen Pfund für drei Gorillas, während in Nationalparks die gleiche Anzahl an Tieren jeden Tag getötet wird, nur weil es an einigen Land Rovern, ausgebildeten Männern und Wilderei-Patrouillen mangelt – so etwas zu hören, muss für einen Parkaufseher schon sehr frustrierend sein.“ [2] Will Travers von der Born Free Foundation in Großbritannien erklärte im gleichen Artikel, seine Organisation könnte die Schutzbemühungen für Gorillas im Kongo für die nächsten fünf Jahre vervierfachen, wenn er nur zehn Prozent der Gelder (500.000 Pfund) zur Verfügung hätte, die das Gorillagehege im Londoner Zoo gekostet hat.

Quellen: [1] Meinungsumfrage des Instituts Yougov zu den Themen Zoo und Zirkus vom Dezember 2015. Online unter: https://yougov.de/news/2015/12/16/tiere-fur-viele-ein-grund-nicht-den-zirkus-zu-gehe/ [2] Artikel in der britischen Sunday Times vom 01.04.2007: „City gorillas live it up as their jungle cousins face oblivion“

Quelle: PETA Deutschland e.V.

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