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Oldenburg: Neue Schaufenster neben dem Museum zeigen Einblicke und Ausblicke zur Ethnologischen Sammlung

Pressemeldung vom 15. Dezember 2016, 11:15 Uhr

Ab sofort präsentiert das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg die neu gestalteten Schaufenster zur Ethnologischen Sammlung. Nach fast 10 Jahren hat die prominente Präsentationsfläche am Damm 38 eine Rundumerneuerung erfahren. In seiner neuen Form gewährt es Interessierten und Passanten noch immer Einblicke in die ethnologischen Sammlungsbestände und zeigt Objekte, die der Öffentlichkeit sonst verborgen blieben. Das neue Konzept greift aber auch aktuelle ethnologische Debatten auf und positioniert das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg als offenen Ansprechpartner für aktuelle, gesamtgesellschaftliche Fragestellungen und Diskurse.

Dass im heutigen Museumsgebäude Damm 38 bis 1962 eine Tankstelle betrieben wurde, ist nur noch wenigen Oldenburgern bekannt. Auch die Geschichte der Ethnologischen Sammlung des Museums mit heute rund 7000 Objekten ist lange Zeit in Vergessenheit geraten. Dies wird nun mit der Präsentation erneut ans Tageslicht gebracht. In Oldenburg waren es vor allem private Sammler, die dem Museum ihre Objekte aus aller Welt überließen. Eigene ethnologische Sammlungs- und Forschungsexpeditionen hat das Museum nie finanziert oder durchgeführt. Die vielfältigen Objekte seiner Bestände verkörpern somit auch die verschiedenen Sammlerpersönlichkeiten und den jeweiligen wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Zeitgeist, der ihre Sammeltätigkeiten prägte. Die ethnologischen Sammlungsbestände des Landesmuseums Natur und Mensch geben damit auch einen Einblick in die Geschichte der Oldenburger selbst. Die Schaufenster stellen stellvertretend die Sammler Ivan Antonovich Kuprianov (1794 -1857), Wilhelm Langheld (1867 -1917) und seine Brüder sowie Gerd Bruns und Roger Meyer aus den 1970er-Jahren vor. Ob Abgesandter des russischen Zaren an der Nordwestküste Amerikas, Offizier in den deutschen Kolonien Afrikas oder als Lehrer in Südamerika – das Spektrum dieser Personen ist ebenso breit wie das der mitgebrachten Objekte.

Die Schaufenster am Damm präsentieren ab sofort eine Vielfalt an Objekten wie Keramiken, Korbwaren, Bootsmodelle, Schmuckstücke, Waffen, Masken und Ritualgegenstände. Sie stammen aus Nord- und Südamerika, Afrika, Ostasien, Ozeanien sowie dem Nahen- und Mittleren Osten und sollen die Neugier und das Interesse an außereuropäischen Kulturen wecken. Der Präsentationsstil, eine nachempfundene Depot-Situation, verweist auf die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Erforschung der Sammlungsbestände: Denn ohne die Herkunfts- und Nutzungszusammenhänge lassen sie den Betrachter zwar die Aura der Objekte erfahren, aber nur bedingt ihre kulturellen Kontexte erschließen.

Heute stehen ethnologische Sammlungen vermehrt im Fokus politischer, internationaler und gesellschaftlicher Debatten. Das neue Präsentationskonzept am Damm öffnet daher Raum für diese Fragestellungen: Welche Gegenstände aus kolonialen Kontexten sind eventuell unrechtmäßig erworben worden oder wie geht man mit menschlichen Überresten um? Ein grauer Magazinkarton steht in den Schaufenstern symbolisch für die im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg verwahrten ‚human remains‘ – selbstverständlich leer. Die neuen Schaufenster verbinden so Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie sind jederzeit zu betrachten und visualisieren offen und transparent auch die offene Haltung des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg zu diesen wichtigen Fragen.

Quelle: Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg

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