Energiewechsel

Landkreis Osterode am Harz: Positionspapier der Industrie- und Handelskammer Hannover zu Fusionsalternativen des Landkreises Osterode am Harz

Pressemeldung vom 8. Juni 2012, 10:38 Uhr

Die Wirtschaft in Südniedersachsen mit den Landkreisen Göttingen, Northeim
und Osterode ist durch vielfältige und enge Verflechtungen gekennzeichnet. Sie
bildet einen einheitlichen Wirtschaftsraum mit hohen Lieferanten- und Kundenbe-
ziehungen, erheblichen interregionalen Pendlerströmen sowie einer klaren Aus-
richtung auf das Oberzentrum Göttingen. Im Interesse einer leistungsfähigen
kommunalen Verwaltung, die durch abgestimmtes Handeln diesen Wirtschafts-
raum fördert, sollte eine Zusammenlegung von Landkreisen den tatsächlichen
regionalen Verbindungen in Industrie, Handel, Verkehr sowie Bildung und überre-
gionaler Verwaltung und Gerichtsbarkeit Rechnung tragen. Eine Zerschlagung
gewachsener Strukturen erschwert den ohnehin schwierigen Weg der Zukunfts-
sicherung von Unternehmen und Arbeitsplätzen im Landkreis Osterode vor dem
Hintergrund der demographischen Entwicklung und unzureichenden Wachs-
tumsdynamik.

Der Landkreis Osterode a.H. ist durch eine hohe Industriedichte geprägt und an-
gewiesen auf gute Verkehrsbedingungen und leistungsfähige Dienstleistungsun-
ternehmen – beides ist nur in Südniedersachsen zu finden. Der nördliche Nach-
barkreis Goslar ist dagegen stärker auf touristische Angebote ausgerichtet und
die industriellen Verflechtungen der Unternehmen sind sehr stark auf Salzgitter
und Braunschweig fokussiert. Die IHK Hannover warnt deshalb vor einem Ausei-
nanderfallen zwischen wirtschaftlichen Verflechtungsräumen und kommunalen
Landkreiszuschnitten im Falle einer Fusion der Landkreise Osterode und Goslar.
Es müssten Strukturen neu aufgebaut werden, die im Bereich der Wirtschaft
kaum Synergieeffekte bringen würden und wirtschaftsbezogene Abstimmungs-
gebote, z.B. in der Regionalplanung, eher schwieriger machen. Verwaltungs-
strukturen sollten diese regionalen Zusammenhänge beachten, um sich im Sinne
einer positiven regionalwirtschaftlichen Entwicklung leistungsfähig und kunden-
orientiert aufzustellen.

Die IHK Hannover fordert den Kreistag Osterode auf, bei der anstehenden Ent-
scheidung über die Aufnahme von Fusionsverhandlungen mit Nachbarkreisen fol-
gende Punkte zu beachten:

• Finanzielle Leistungsfähigkeit des neuen Landkreises in den Fokus rücken
Ein neuer Landkreis sollte finanziell so aufgestellt sein, dass die Gewerbesteu-
ersätze weiterhin auf wettbewerbsfähigem Niveau gehalten werden können.
Damit würde ein wichtiger Beitrag für die Standortsicherung ansässiger Be-
triebe sowie die Ansiedlung zusätzlicher Arbeitgeber geleistet. Im Fall einer
Fusion der Landkreise Osterode und Goslar befürchten die Unternehmen im
Landkreis Osterode a.H., dass sich die regionalen Probleme aus der demogra-
fischen Entwicklung, der geringen Wachstumsdynamik und der strukturellen
Finanzschwäche der Kommunen verschärfen und damit die Standortbedin-
gungen für die Wirtschaft teilweise verschlechtern würden.
• Anbindung an Wachstumsregionen anstreben
Eine zukunftsfähige Ausrichtung des Landkreises Osterode erfordert eine An-
bindung an die Wachstumsregionen im Süden. Der Prognos-Zukunftsatlas
2010 weist für den Landkreis Göttingen einen ausgeglichenen Chancen-
Risiko-Mix aus. Im Vergleich zu 2004 kletterte der Landkreis Göttingen im
bundesweiten Vergleich von Rang 164 auf Rang 146. Dem Landkreis Goslar,
der im Vergleich zu 2004 um 204 Plätze auf Rang 332 abrutschte, werden
Zukunftsrisiken bescheinigt.

• Verflechtungen beachten
Der Landkreis Osterode weist eine besonders hohe Pendlerverflechtungsinten-
sität mit den Landkreisen Göttingen und Northeim auf. Das geht aus Berech-
nungen des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW) her-
vor. Demnach bestätigen die Arbeitsmarktverflechtungen insgesamt die Zu-
ordnung der Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode zu einer Region
Südniedersachsen.

• Gewachsene Strukturen in Wirtschaft und Verwaltung nicht zerschlagen
Der Landkreis Osterode ist derzeit in eine Vielzahl von Strukturen und Ver-
flechtungen eingebunden, die auf Südniedersachsen ausgerichtet sind. Dies
betrifft die regionale Wirtschaftsförderung, Infrastrukturprojekte, kommunale
Gewerbeflächenplanungen bis hin zur Einbindung in regional organisierte Ver-
bands- und Verwaltungseinrichtungen. Eine Fusion der Landkreise Goslar und
Osterode würde ein Aufbrechen dieser Strukturen/Verflechtungen erfordern
und auf Jahre die Entwicklung der Wirtschaft im Landkreis Osterode hemmen.
Diese Feststellung wird von einer großen Mehrheit der Wirtschaft im Land-
kreis Osterode getragen.

• Fachkräftebedarf sichern – regionale Standortqualitäten nutzen
Durch die Einbindung in den Verflechtungsraum des Oberzentrums Göttingen
bietet sich für die Unternehmen im Landkreis Osterode eine relativ hohe
Standortattraktivität, die insbesondere bei der Gewinnung von Fachkräften
zum Tragen kommt. Göttingen ist weit über den regionalen Bereich hinaus
bekannt als moderner Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort, verfügt über
hervorragende Verkehrsanbindungen und übt insbesondere auf jüngere Fach-
kräfte von außerhalb eine hohe Anziehung aus. Diese Standortqualitäten nut-
zen auch teilweise der Region Südniedersachsen insgesamt.

Die Industrie- und Handelskammer Hannover appelliert mit Nachdruck an den
Kreistag Osterode, eine Entscheidung zur möglichen Fusion des Landkreises Os-
terode a.H. mit benachbarten Landkreisen nach sachgerechten Kriterien zu fällen.
Ein solcher Beschluss, der auch für die Unternehmen eine langfristige Bindungs-
wirkung hat, darf nicht nach kurzfristigen politischen Opportunitäten gefasst
werden.

Quelle: Landkreis Osterode am Harz – Pressestelle

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis