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Johanniter-Unfall-Hilfe e.V: Geschafft – Flüchtlingsbaby in Hannover geboren

Pressemeldung vom 6. Oktober 2015, 13:09 Uhr

Johanniter freuen sich in Sarstedter Notunterkunft auf Angela und ihre Familie

Hannover/Sarstedt. Entspannt liegt sie in ihrem kleinen Bettchen. 47 Zentimeter lang, 2555 Gramm schwer, mit schwarzen, strubbeligen Haaren. Auf die Welt kam Angela, benannt nach Angela Merkel, am 4. Oktober in der Medizinischen Hochschule Hannover. Eine Geburt in Deutschland – darauf hatten ihre Eltern gehofft, seit sie sich 18 Tage zuvor mit wenig Gepäck und dem vier Jahre alten Mustafa an der Hand in Bagdad auf den Weg gemacht hatten. Fast angekommen, sie überfuhren gerade die Grenze bei Passau, setzten bei Mutter Hind die Wehen ein. Sie schaffte es noch bis Lehrte. Sicherheitskräfte hatten aus dem Zug heraus bereits Alarm geschlagen, im Eiltempo wurde die Hochschwangere ins Krankenhaus gebracht. Um kurz nach 17 Uhr kam das Mädchen durch einen Kaiserschnitt zur Welt.

Einen Tag später liegt die junge Mutter erschöpft im Krankenbett, ihr Gesicht erzählt von den Strapazen der langen Tour. „Am schlimmsten war es in der Türkei, als wir in unwegsamem Gelände über eine Anhöhe klettern mussten, um zu der Bucht mit dem Boot zu kommen“, erzählt Vater Ali. Mit dem Boot ging es zwölf Stunden lang über das Mittelmeer, dann weiter bis nach Athen, wo sie drei Tage in einem völlig überfüllten Auffanglager verbrachten. Und weiter gen Norden bis nach Wien. Schließlich in den Zug nach Deutschland.

Im Irak war Ali beim Militär gewesen. Bis eines Tages ein Mann auf ihn zutrat und ihm drohte: „Wenn du nicht tust, was wir sagen, holen wir deinen Jungen.“ Das hatte gereicht. Jetzt sind sie da und der großgewachsene Mann sagt: „Ich kann gar nicht beschreiben, was ich fühle.“ Alles, was er sich wünscht: „Eine ruhige und sichere Zukunft.“

Ihre Zeit in Deutschland beginnt in der Notunterkunft für Flüchtlinge in Sarstedt. Auf dem Asphaltboden des ehemaligen Edeka-Zentrallagers stehen nun Bauzäune, die mit Plastikplanen überzogen wurden, um den vielen Menschen zumindest ein bisschen Privatsphäre zu ermöglichen. Hier wohnen Ali, sein Sohn Mustafa und ein paar weitere Familienangehörige jetzt. Hier schlafen sie auf Matratzen, die auf Paletten liegen, den Eingang versperrt eine blaue Mülltüte.

Hind und ihre Tochter dürfen sich noch einige Tage im Krankenhaus ausruhen. Wenn sie nach Sarstedt kommen, halten die Johanniter eine Erstausstattung und ein Familienzimmer für sie vor. Ein MaxiCosi steht schon bereit, auch Reisekinderbetten wurden von deutschen Familien gespendet. Es wird noch dauern, bis Angela und ihr großer Bruder Mustafa in ihren eigenen Betten einschlafen können. Aber es werden welche in Sicherheit sein.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe engagiert sich aktiv in der Flüchtlingshilfe. Zurzeit werden in zehn Notunterkünfte-Einrichtungen in Niedersachsen 4761 Menschen betreut.

Quelle: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V

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