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Hannover: In vier von fünf beteiligten Museen gibt es Verdachtsfälle auf NS-Raubkunst

Pressemeldung vom 30. November 2016, 15:01 Uhr

Fachleute haben im Rahmen des Pilotprojekts Erst-Check Provenienzforschung herausgefunden, dass es in vier von fünf Museen in Südniedersachsen mit hoher Wahrscheinlichkeit Werke gibt, die als NS-Raubkunst gewertet werden müssen. Das im Juni 2016 gestartete Pilotvorhaben ist vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK), dem Netzwerk Provenienzforschung und dem Landschaftsverband Südniedersachen initiiert worden. Bei einer Abschlussveranstaltung im Welfenschloss Hann.Münden wurden heute die Ergebnisse öffentlich präsentiert.

„Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie wichtig die von uns unterstützte Ausweitung der Suche nach NS-Raubgut in Niedersachsen ist – und zwar unabhängig vom materiellen Wert der Objekte“, sagt die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajic . „Die am Pilotprojektprojekt beteiligten Häuser nehmen bereits jetzt eine Vorbildfunktion für andere Museen im Land ein. Es ist uns sehr wichtig, dass die Suche nach NS-Raubgut konsequent fortgesetzt und intensiviert wird“, so die Ministerin.

Nachfolgevorhaben sind bereits geplant. Dazu gehören ein weiteres Projekt in Südniedersachsen in den Museen in Osterode, Uslar, Seesen und Northeim sowie ein Erst-Check-Projekt in Ostfriesland.

Im Rahmen des Pilotprojekts Erst-Check sollte geklärt werden, ob ein Verdacht auf NS-Raubgut in den vielfältigen Beständen mittlerer und kleiner Museen vorliegt. Dies ließ sich im Fall der teilnehmenden Häuser – dem Stadtmuseum Alfeld, dem Heimatmuseum Duderstadt, dem Stadtmuseum Einbeck, dem Städtischen Museum Hann.Münden und dem Oberharzer Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld – nur für Letzteres eindeutig ausschließen. Zu den ermittelten Verdachtsfällen zählen Objekte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit NS-verfolgungsbedingt aus ehemals jüdischem Eigentum entzogen wurden, aber auch Kulturgut, das aus beschlagnahmten Beständen von Freimaurern oder Gewerkschaften stammen könnte sowie Ethnographica und Archäologica mit zum Teil unklarer Herkunft. Die jeweiligen Museen werden diesen Verdachtsfällen nun im Rahmen von längerfristigen Folgeprojekten oder Einzelfallrecherchen weiter nachgehen.

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hatte im Februar 2015 flankierend zur Gründung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste ein Netzwerk Provenienzforschung aufgebaut, das die Initiativen auf Landesebene bündeln und insbesondere mittlere und kleine Museen bei den Recherchen zur Herkunft (Provenienz) ihrer Bestände unterstützt.

Weitere Informationen zum Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen: www.provenienzforschung-niedersachsen.de

Weitere Informationen zu den Ergebnissen des Erst-Check-Projekts: www.landschaftsverband.org

Quelle: Hannover

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