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Göttingen-Weende: Pollensaison ist noch nicht vorbei – Vorstellung einer „Pollenfalle“

Pressemeldung vom 22. Juli 2011, 10:11 Uhr

Am Standort Lenglern des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende steht eine von bundesweit 45 Pollenfallen. Hier werden dreimal wöchentlich alle umher fliegenden Pollen gezählt und ausgewertet. Derzeit plagen Allergiker vor allem Brennnessel-Pollen, aber auch Gräser- und Getreidepollen sowie Löwenzahn und Linde.

Sommer, angenehme Temperaturen und dazu noch eine leichte Brise Wind – das hört sich für die meisten Menschen traumhaft an, ist für viele Allergiker jedoch ein Albtraum. Halten sich unempfindliche Menschen zu dieser Jahreszeit so oft wie möglich draußen auf, ziehen sich die von Pollen geplagten Menschen in Häuser und Wohnungen zurück. Um Allergiker vor unangenehmen allergischen Reaktionen warnen zu können, gibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Zusammenarbeit mit der Pollenstiftung die Intensität aller umher fliegenden Pollen an.

Doch wie genau stellt man die Pollenintensität fest, wie zählt man eigentlich Pollen? Dazu bedarf es bundesweit vieler ehrenamtlicher Helfer, die die Pollen zählen und deren Anzahl dem Deutschen Wetterdienst übermitteln.

Die Pollenfalle in Lenglern

Das Krankenhaus Lenglern ist einer von bundesweit 45 Standorten mit einer so genannten Pollenfalle. Mit Hilfe einer Vakuumpumpe saugt das Gerät durch eine Einsaugöffnung 10 Liter Luft pro Minute an. Unmittelbar hinter dem Ansaugschlitz befindet sich eine Trommel, die über ein Uhrwerk angetrieben wird. Auf diese Trommel ist ein mit Vaseline beschichteter Plastikstreifen gespannt. Die in der angesaugten Luft enthaltenen Pollen werden direkt auf diesen Plastikstreifen geschossen und dort fixiert.

Die Trommel dreht sich kontinuierlich mit einer Geschwindigkeit von 2 mm pro Stunde und in 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse. Später können die Pollen unter dem Mikroskop analysiert werden. Dreimal pro Woche (Montag, Mittwoch und Freitag) wird die Pollenfalle, die auf einem Dach des Krankenhauses mit freiem Blick in die Natur steht, von den Mitarbeitern geleert.

Nachdem Werner Neumann, Mitarbeiter der Werkstatt am Krankenhaus in Lenglern, die Trommel gewechselt hat, macht sich einer der Technischen MitarbeiterInnen (Edgar Mönkeberg, Britta Plessow oder Rosemarie Sämann) an die aufwändige Arbeit des Auszählens. Hierzu werden die Pollen auf dem Objektträger von einem speziellen, rosafarbenen Gel bedeckt und unter einem Mikroskop mit 400-facher Vergrößerung begutachtet. Der Objektträger wird von den Mitarbeitern in vier Reihen unterteilt. Mit einem Fingerklick auf die richtige Taste am Zählautomat werden die Pollen gezählt. Die technischen Mitarbeiter müssen in der Lage sein, die verschiedenen Pollenformen unter dem Mikroskop zu unterscheiden. Rosemarie Sämann hat sich dafür kleine Eselsbrücken gebaut: „Die Pollen der Eiche sehen aus wie ein Teddybärkopf, und eine Rotbuche erkennt man an den drei „Onkis“, also Augen, die an der Pollenhülle andocken“, sagt sie.

Beispielhaft für die Pollenintensität an einem normalen Sommertag wurden am 15. Juli 2011 folgende Pollen auf einem Präparat gezählt: 1238 Brennnessel-Pollen, zehn Gräserpollen und je eine Polle Linde, Ampfer und Kiefer. „Eigentlich ist die Zeit der Kieferblüte schon vorbei“, sagt Edgar Mönkeberg. „In Kürze müssten die Beifuß-Pollen kommen. Ich warte täglich darauf.“ Zum

Vergleich: Am 25. April im Frühling saugte die Pollenfalle folgende Pollen an: 723 Ahornpollen, 164 Birkenpollen, 16 Hainbuchenpollen, 342 Rotbuchenpollen, 88 Eschenpollen, 262

Fichtenpollen und 8 Kiefernpollen. Das sind auf einem Projektträger somit über 1600 Pollen! Da ist es nicht ungewöhnlich, dass solch ein Zählvorgang mit allen Vor- und Nachbereitungen bis zu zwei Stunden dauern kann.

Sind alle Pollen ausgezählt, geben die Mitarbeiter die Anzahl im Internet auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes in ein Formular ein, von wo aus sie der Bevölkerung aufbereitet zur Verfügung gestellt werden und in die Pollenflugvorhersage einfließen.

Ehe man als offizieller „Pollenzähler“ arbeiten darf, muss man einen dreitägigen Lehrgang bei der Pollenstiftung in Berlin absolvieren, der den Teilnehmern finanziert wird.

Quelle: Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH

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