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Göttingen: Göttinger Fledermaus – Umsiedlung erfolgreich

Pressemeldung vom 4. Juli 2011, 12:14 Uhr

Das von der Stadt Göttingen initiierte Vorhaben zur Umsiedlung einer Fledermaus – Kolonie verläuft überaus erfolgreich. Bereits im zweiten Sommer hat sich im Dachstuhl eines eigens dafür errichteten kleinen Gebäudes eine sogenannte „Wochenstubenkolonie“ des Großen Mausohrs entwickelt. Erstmalig ist damit in Deutschland die Umsiedlung dieser Fledermausart geglückt.

Im Frühjahr 2008 wurde im Zuge eines Planungsvorhabens im Göttinger Maschmühlenweg auf dem Gelände der sogenannten Treppchenhäuser das Vorkommen eines Wochenstubenquartiers des Großen Mausohrs bekannt. Die weiblichen Tiere dieser streng geschützten Fledermausart ziehen im Sommerhalbjahr ihre Jungtiere in einem Gemeinschaftsquartier von mehreren Dutzend bis zu vielen Tausend Tieren auf. Sind die Jungtiere Flügge geworden, zerstreut sich die Kolonie. Die Tiere suchen unterschiedliche Winterquartiere auf. Das Große Mausohr kann ein sehr hohes Alter erreichen und zeichnet sich durch eine unbedingte Ortstreue in seiner Quartierwahl aus.

Zum Schutz der Art gilt nach dem Naturschutzrecht ein generelles Störungsverbot. Deshalb hat die Stadt zunächst eine genaue Untersuchung durch einen Mausohrexperten aus dem Raum Gießen veranlasst.. Gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als Fachbehörde wurde eine Umsiedlungsstrategie entwickelt. Diese sah die Errichtung eines Ersatzquartiers im Winterhalbjahr 2009/2010 unter Verwendung des alten, mit
dem Heimatgeruch der Tiere behafteten Dachstuhls vor. Die Tiere wurden durch aufgezeichnete Originallaute auf dieses Quartier aufmerksam gemacht und so in den neu errichteten Dachstuhl gelockt.

Einzelne Fledermäuse konnten schon im ersten Sommer im neuen Gebäude ihre Jungen aufziehen. Im zweiten Sommer hat sich nun aus dieser Keimzelle bereits eine Wochenstubenkolonie des Großen Mausohrs entwickelt, die mehr als die Hälfte der ursprünglichen Kopfzahl an Fledermaus-Müttern erreicht hat. Damit kann die Umsiedlung des Großen Mausohrs schon im zweiten Jahr als erfolgreich bewertet werden. Nach Auskunft des betreuenden Fachbiologen Karl Kugelschafter aus Lohra/Giessen ist damit Deutschland weit Neuland betreten worden und erstmalig eine Umsiedlung dieser Fledermausart geglückt.

Dieses Beispiel zeigt, erklärte Stadtbaurat und Umweltdezernent Thomas Dienberg, dass Konflikte zwischen Grundstücksentwicklungen und Artenschutz lösbar sind. Eine Grundstücksentwicklung wäre ohne Abriss der alten, nicht mehr sanierungsfähigen Bausubstanz nicht möglich gewesen. Voraussetzung für eine Grundstücksentwicklung war aber auch die Bereitstellung eines Ersatzquartiers für die streng geschützte Fledermausart. Das Gebäude selbst wird von der Göttinger Sport und Freizeit GmbH als Geräteschuppen genutzt. Gesamtkosten des Projekts einschließlich der Baukosten: Rund 50.000 Euro.

Quelle: Göttingen – Öffentlichkeitsarbeit

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