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Göttingen: Friedhof auf dem Baugelände

Pressemeldung vom 20. Juli 2011, 15:37 Uhr

Bau des Studien- und Lernzentrum (LuSt) wird sich weiter verzögern

Der AStA der Universität Göttingen hat Informationen zugespielt
bekommen, dass sich der Bau des Lern- und Studienzentrums weiter
verzögern wird. Bereits seit längerer Zeit kritisiert der AStA die
Entscheidungsfindung und das Finanzierungskonzept des Großprojekts der
Universität. Das Gebäude, dessen Rohbau eigentlich bereits in diesem
Winter fertig sein sollte, sowie die Unterhaltskosten sollen vollständig
aus Studiengebühren bezahlt werden. Insgesamt wurden so für mehrere
Jahre über 9 Millionen Euro fest verplant. Von einer ausreichenden
Partizipation der Studierendenschaft an den Entscheidungsprozessen kann
nicht gesprochen werden (vgl. unsere PM vom 26.05.2011, online unter:
http://www.asta.uni-goettingen.de/98).

„/Wir haben einen Anruf vom Vorsitzenden der zentralen erweiterten
Kommission für Lehre und Studium (zKLS+) erhalten, der für das Lern- und
Studienzentrum mitverantwortlich ist. Nach seinen Aussagen befindet sich
auf dem für den Bau verplanten Gelände ein alter Friedhof, der nun
archäologisch erschlossen werden muss/“, so eine Sprecherin. „/Nach den
Streitigkeiten zwischen Universität und Stadt, dem ungeeigneten Boden
und der Umsetzung des Reitstalltors ist das jetzt schon die vierte große
Panne vor Baubeginn. Das Konzept war wohl einfach nicht zu Ende
geplant/“, so die Sprecherin weiter. Die Planungen erscheinen auch
deshalb kopflos, weil der Friedhof bereits beim Bau des
Geisteswissenschaftlichen Zentrums (heute: Zentralmensa) eingeebnet
wurde, was bei einer angemessenen Evaluierung des Bauorts in Erfahrung
gebracht hätte werden können.

Recherchen des AStA ergaben, dass es sich bei dem Begräbnisplatz um
einen alten Friedhof der katholischen Gemeinde Göttingens handelt (vgl.
für die nachfolgenden Fakten die Literaturliste im Anhang). Das
Grundstück wurde ab 1849 von Ernst Friedrich Vollmer aufgekauft und der
katholischen Kirche zur Friedhofsnutzung übergeben. Am 21. Juni 1851
wurde der Friedhof eingeweiht. Weil die Stadt bei der Ausweitung des
Wohnraums in dem Friedhof ein Problem sah, wurde bereits 1884 eine
Schließung in Betracht gezogen. Am 01. April 1889 wurde der Friedhof
geschlossen und verfiel zunehmend. Nur noch wenige Begräbnisse in
Familiengruften fanden statt. Unter den auf dem katholischen Friedhof
Begrabenen befinden sich auch Ernst Friedrich Vollmer selbst sowie
dessen Sohn Hermann Vollmer. Weiterhin wurden Friedrich Griepenkerl,
Professor für Landwirtschaft, und Eduard von Siebold, Direktor der
Gynäkologie in Göttingen, hier beigesetzt.

Der AStA befürchtet, „/dass auch weitere ‚unerwartete Überraschungen‘ im
Zuge des LuSt-Baus nicht auszuschließen sind, die die Kosten weiter in
die Höhe treiben könnten, welche bisher vollständig von Studierenden
getragen werden, ohne dass diese angemessen in die Entscheidungsfindung
darüber einbezogen wurden/“, so die Sprecherin.

Der AStA betrachtet das skandalträchtige Bauprojekt als weiteren Beleg
dafür, dass ein Großteil der Studiengebühren nicht für sinnvolle Zwecke
eingesetzt wird, welche die Studiensituation verbessern würden. „/Hier
werden lediglich Gelder verpulvert, die viele Studierende unter großen
Mühen erbringen müssen und die viele dringender für Lehrbücher, die
Miete und den Unterhalt während ihres Studiums in Göttingen benötigen/“,
so die Sprecherin des AStA. „/Wieder einmal zeigt sich, dass die vielen
Argumente, die von Studiengebühren-Befürworter*innen heraus posaunt
wurden, sich als falsch erweisen: Weder haben die Studierenden als
‚zahlende Kunden‘ irgendeinen größeren Einfluss auf die Gestaltung der
Uni, noch werden sie durch überteuerte Fundamente mit umfangreicherem
Wissen aus der Uni gehen. Lernkabinen – sollten sie denn einmal wirklich
fertig gebaut sein – werden auch nicht gerade der Inbegriff einer
Umgebung sein, in der freie Entfaltung durch kritische Reflexion
stattfinden kann/“.

Der Göttinger AStA hofft, dass die Universität in Zukunft aus solchen
Verfehlungen lernen und vorausschauender planen wird. Vor allem aber,
dass die Studierendenschaft künftig angemessen in Entscheidungen über
Studiengebührenverwendung einbezogen wird, solang es die Gebühren noch
gibt. „/Sollte die Universität weitere Gebäude benötigen, sind wir gerne
bereit mit dem Präsidium über eine gemeinsame Strategie gegenüber dem
Land zu beraten, die zu Abschaffung der Studiengebühren und zur
Vollfinanzierung der Universitäten durch Landesmittel führt. Dann können
auch Gebäude wieder sinnvoll gebaut werden/“, so die AStA-Sprecherin.

Quelle: AStA Uni Göttingen

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