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Göttingen: Gedenktafel zu Ehren des Physikers George Gamow

Pressemeldung vom 8. Oktober 2015, 11:44 Uhr

Zu Ehren des Physikers George Gamow, in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Mitarbeiter von Max Born in Göttingen, wird die Dezernentin für Kultur und Soziales, Stadträtin Dr. Dagmar Schlapeit-Beck, am Montag, 19.Oktober 2015, am Gebäude Herzberger Landstraße 6 eine Gedenktafel enthüllen. Die kleine Feierstunde beginnt um 16.00 Uhr. Die Laudatio hält Prof. Dr. Arnulf Quadt vom II. Physikalisches Institut der Georg-August-Universität Göttingen.
George Gamow wurde am 4. März 1904 in Odessa geboren. Er studierte von 1922 bis 1923 in Odessa und von 1923 bis 1929 in Leningrad Physik. 1928 arbeitete er mehrere Monate bei Max Born an der Georg-August-Universität Göttingen und lernte hier u. a. Fritz Houtermans sowie weitere bedeutende Wissenschaftler kennen. Nach einem Studienjahr in Kopenhagen kehrt Gamow in die Sowjetunion zurück. Es folgten weitere Aufenthalte in Cambridge und Kopenhagen. In seiner Heimat setzte ihn die sowjetische Geheimpolizei unter Druck; er beschloss, endgültig in den Westen überzusiedeln. Nach mehreren vergeblichen Versuchen floh Gamow im Herbst 1933 in die USA und arbeitete dort anschließend als Hochschullehrer an der George Washington University in Washington, D.C. und in Boulder (Colorado). Dort starb er am 19. August 1968.

George Gamow trug wesentlich zur Kernphysik und zur Urknall-Theorie bei und sagte 1948 mit seiner Arbeitsgruppe die kosmische Hintergrundstrahlung voraus, die 1964 entdeckt wurde. Bereits als 24jähriger beteiligte sich Gamow 1928 in Göttingen in der „Schule“ des späteren Nobelpreisträgers Max Born an der Weiterentwicklung der Quantenmechanik und ihrer Anwendung auf die theoretische Atomphysik. Insbesondere in der Erklärung des Alphazerfalls durch den sogenannten Tunneleffekt liegt eines seiner frühen Verdienste.
Mit dem aus den Niederlanden stammenden Fritz Houtermans erweiterte er seine Forschungen, beide begründeten eine Theorie zu den thermonuklearen Abläufen in Sternen. Das weitere Schicksal von George Gamow – Repressalien durch die sowjetischen Geheimpolizei, Flucht aus der stalinistischen Sowjetunion in die USA, dort die Zusammenarbeit mit Edward Teller und Hans Bethe – spiegelt exemplarisch den Lebenslauf eines bedeutenden Naturwissenschaftlers in den politischen Systemen und naturwissenschaftlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts wider. Über sein Fach Atomphysik hinaus wurde Gamow in wissenschaftlich interessierten Kreisen durch seine erfolgreichen Versuche bekannt, das neue physikalische Weltbild allgemeinverständlich darzustellen. Zudem war er wesentlich an der Ausformulierung des Theorems der primodialen Nukleosytnhese beteiligt, das als „Urknall-Theorie“ zu einem der maßgeblichen Modelle der Kosmologie geworden ist.

Quelle: Göttingen – Öffentlichkeitsarbeit

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