Energiewechsel

Gandersheimer Domfestspiele: Domfestspiel-Intendant Christian Doll verpflichtet für seine Inszenierung der Tschechow-Komödie „Der Kirschgarten“ zahlreiche bekannte Gesichter

Pressemeldung vom 8. Dezember 2015, 08:56 Uhr

Im Sommer 2016 werden die Gandersheimer Domfestspiele erneut durch eine Schauspiel-Inszenierung des Festspielintendanten Christian Doll offiziell eröffnet. Ein Jahr nach der Shakespeare-Komödie „Wie es euch gefällt“ hat Doll diesmal einen Klassiker des wohl wichtigsten Theaterautoren der russischen Literaturgeschichte für die Gandersheimer Festspielbühne ausgewählt. Anton Tschechows Komödie „Der Kirschgarten“, die am 2. Juni 2016 Premiere feiert, ist ein ungeheuer komisches und zugleich liebevolles Portrait von Menschen, die so sehr ihrer Vergangenheit und nostalgischen Gefühlen verhaftet sind, dass sie unfähig werden, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Ein großer Teil des Ensembles für diese Inszenierung steht bereits zum jetzigen Zeitpunkt fest – darunter zahlreiche Schauspieler, die sich schon in den vergangenen Jahren in großen Rollen bei den Festspielen bewährt haben und zu einem eingespielten Team geworden sind.
„Der Kirschgarten ist für mich ein Schauspielerstück. Jeder Spieler hat hier eine großartige Aufgabe, das gilt bis in die kleineren Partien. Ein Grund, warum ich es auf den Spielplan gesetzt habe ist, dass ich es in diesem Jahr so hervorragend besetzen kann.“ erklärt Kirschgarten-Regisseur Christian Doll die Auswahl dieses Stückes als Eröffnungsinszenierung der 58. Gandersheimer Domfestspiele. „Ich selbst freue mich aber auch wahnsinnig auf diese Begegnung mit Tschechow. Schon zu meiner ersten Spielzeit habe ich über dieses Stück nachgedacht, weil ich finde, dass es viel mit uns und unserer Situation zu tun hat. Tschechow kriegt mich immer wieder auf eine Weise, die ich schwer beschreibbar finde. Der Kirschgarten ist eine Komödie, und ich glaube, dass der Abend auch bei uns wirklich komisch und unterhaltsam werden wird. Aber hinter der Komik liegt bei Tschechow für mich immer etwas Unbehagliches, Seltsames. Eigentlich liegt das ja auch auf der Hand, wenn man das Stück liest, und trotzdem kommt es für mich immer wieder ganz überraschend um die Ecke und kriecht in die Seele. Und das ist dann kaum auszuhalten. Da weiß ich plötzlich nicht mehr, ob ich lache, weil es komisch ist oder weil ich es anders nicht aushalte.“

Ranjewskaja – eine „unerwachsene“ Frau
In den Hauptrollen sind mit Gunter Heun, Martina Maria Reichert und Mario Gremlich drei Schauspieler zu erleben, die sich auf der Gandersheimer Festspielbühne bereits in „Tartuffe“ im Jahr 2012 und „Othello“ im Jahr 2013 spannende Psychoduelle lieferten. „Wenn Gunter, Martina und Mario gemeinsam auf der Bühne stehen, dann fliegen die Funken“, so Doll, der bereits bei diesen beiden Produktionen Regie führte.
Martina Maria Reichert war in ihrer bisherigen schauspielerischen Laufbahn an zahlreichen renommierten deutschsprachigen Theatern verpflichtet und erhielt unter anderem einen Sonderpreis bei den Bayerischen Theatertagen für ihre Rolle in „Kaspar Häuser Meer“ am Theater Erlangen. Im Fernsehen war sie unter anderem in der BBC-Produktion „Nuclear Secrets“ zu erleben. Neben ihren Rollen als Elmire in „Tartuffe“ und Emilia in „Othello“ trat sie in Bad Gandersheim auch als Regisseurin des bislang größten Jugendtheaterprojekts der Festspiele im vergangenen Frühjahr in Erscheinung.

In Tschechows Komödie „Der Kirschgarten“ spielt Reichert nun mit der Gutsbesitzerin Ranjewskaja die zentrale Rolle des Stücks: Nach einem längeren Aufenthalt in Paris ist Ranjewskaja zurückgekehrt auf das Landgut in der russischen Provinz, das bereits seit Generationen im Familienbesitz ist. Dort wird sie vor eine Entscheidung gestellt, die sie völlig überfordert: Da sie inzwischen hoch verschuldet ist, soll das Gut mit dem idyllischen Kirschgarten versteigert werden. Doch gerade ihre große Liebe zu dem Gut und die zahlreichen Erinnerungen an ihre Kindheit lähmen sie, aktiv zu werden und die richtigen Schritte einzuleiten, um ihren Besitz doch noch zu retten.
„Wer bist du, wenn du dich nur aus deiner Vergangenheit heraus definierst?“ beschreibt Martina Maria Reichert ihre zentrale Frage an die Figur. „Der größte Schritt für Ranjewskaja wäre es, alles loszulassen, um sich neu erfinden zu können. An ihrer Unfähigkeit dazu scheitert sie jedoch im Laufe des Abends. Ich freue mich wahnsinnig auf diese ‚unerwachsene‘ Figur, obwohl ich als Schauspielerin selbst sehr gerne eigenverantwortlich arbeite. Im besten Fall möchte ich, dass die Zuschauer mit Ranjewskaja weinen, wenn der Kirschgarten schließlich versteigert ist, obwohl sie von außen sehen können, dass sie selbst die volle Verantwortung dafür trägt.“
Wie hilft man Sturköpfen?
Ihr Gegenüber, der zu Reichtum gekommene Bauer Lopachin, wird von Gunter Heun verkörpert, der in den vergangenen Jahren immer wieder in tragenden Rollen in den Schauspielproduktionen auf der Gandersheimer Festspielbühne zu erleben war: Nach Titelrollen in „Othello“ und „Tartuffe“ spielte er im vergangenen Jahr unter anderem den Judas im gleichnamigen Schauspielmonolog im Klosterkeller Brunshausen, der in der kommenden Spielzeit wieder aufgenommen wird. Wie die Ranjewskaja gilt auch die Rolle des Lopachin als eine der größten Rollen für Schauspieler in der internationalen Theatergeschichte. Lopachin, wie sein Vater und Großvater ehemals Leibeigener, doch nun ein freier Mann, der über harte Arbeit zu Geld gekommen ist, verzweifelt an der Sturheit von Ranjewskaja und ihrem Bruder Gajew. Eigentlich möchte er seiner früheren Herrin, die er immer noch bewundert und verehrt, aus ihrem Dilemma heraushelfen und gibt immer wieder gute Ratschläge, wie das Gut doch noch zu retten wäre. Doch niemand will auf ihn hören, sodass er sich schließlich gezwungen sieht, auf eigene Faust zu handeln.
Ranjewskajas urkonservativer Bruder, der fanatische Billardspieler Gajew, wird verkörpert von Mario Gremlich. Seit seinem letzten Auftritt bei den Gandersheimer Domfestspielen als Jago in „Othello“ und Ernst Ludwig in „Cabaret“ 2013 war Gremlich an zahlreichen bedeutenden Schauspiel- und Musicalbühnen zu erleben. So spielte er etwa in der Großproduktion „Gefährten“ am Berliner Theater des Westens an der Seite von Heinz Hoenig und war der Manager von Rocky Marciano in der Hamburger Produktion von „Rocky: Das Musical“.
Starke Schauspieler auch in den Nebenrollen
Auch in den Nebenrollen ist „Der Kirschgarten“ hochkarätig und mit vielen bekannten Gesichtern besetzt. „Tschechow ist ein wahnsinnig guter Menschenbeobachter. Er scheint sich wirklich für jede seiner Figuren zu interessieren. Nicht nur die Hauptrollen seiner Dramen verhandeln große Konflikte, auch die Nebenrollen hadern und kämpfen um ihr Dasein.“, beschreibt Kirschgarten-Regisseur Doll. „Deshalb war es mir besonders wichtig, diese Komödie bis in die kleinsten Rollen mit starken Schauspielern zu besetzen, die zudem als Team bereits eingespielt sind.“

So werden Dirk Weiler (u. a. Bandgründer Harry in „Die Comedian Harmonists“ 2015 und 2016) als tolpatschiger und bis über beide Ohren verliebter Jepichodow, Moritz Fleiter (u. a. in „Wie es euch gefällt“ 2015) als arroganter Bediensteter Jascha und Alice Hanimyan (Titelrolle in „Ronja Räubertochter“ 2014) als Ranjewskajas idealistische Tochter Anja zu erleben sein. Der skurrile Adelige Pischtschik wird vom zukünftigen Intendanten der Burgfestspiele Mayen und Pilatus-Darsteller bei der Gandersheimer „Jesus Christ Superstar“-Inszenierung, Daniel Ris verkörpert, während die österreichische Kultschauspielerin Christine Dorner, die im Vorjahr den Narren Probstein in „Wie es euch gefällt“ gab, die Rolle des senilen Dieners Firs spielt. Neu im Ensemble ist unter anderem der Schauspieler und Heavy-Metal-Sänger Raphael Traub, der nach langen Jahren im Ensemble des Braunschweiger Staatstheaters erstmals auf der Gandersheimer Festspielbühne zu erleben ist und die Rolle des rebellischen Studenten Trofimow übernimmt. Mit Christian Doll arbeitete er bereits in dessen Erfolgsproduktion „Fleisch ist mein Gemüse“ am Staatstheater Braunschweig zusammen.
Die 58. Gandersheimer Domfestspiele finden vom 27. Mai bis 24. Juli 2016 statt. Im Programm stehen neben „Der Kirschgarten“ die drei musikalische Produktionen „Die drei Musketiere“, „Highway to Hellas“ und „Die Comedian Harmonists“, das Kinder- und Familienstück „Michel aus Lönneberga“ und der Schauspielmonolog „Judas“. Über die Weihnachtszeit und bis zum 31. Januar 2016 gilt ein Frühbucherrabatt auf alle Abendproduktionen auf der Festspielbühne. Karten und weitere Informationen unter www.gandersheimer-domfestspiele.de sowie der Ticket-Hotline (05382) 73-777.

Quelle: Gandersheimer Domfestspiele

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis