Oldenburg: Mit Macht zur Wahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht in Europa Ausstellung im Stadtmuseum ab 1. November
Pressemeldung vom 19. Oktober, 2009, 3:36 pm
Oldenburg. Vom 1. November bis 6. Dezember zeigt das Stadtmuseum die Ausstellung Mit Macht zur Wahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht in Europa. Damit wird erstmalig der Versuch unternommen, die Geschichte des Frauenwahlrechts im europäischen Vergleich darzustellen. Ausgehend von der Gleichheitsproklamation der französischen Revolution, die Marie Olympe de Gouges in ihrer Zeit vergebens auch für die Frauen einforderte, wird mit historischen und künstlerischen Mitteln gezeigt, wie dieses Begehren zum Motor für eine europaweite politische Freiheitsbewegung der Frauen wurde.
Die Ausstellung präsentiert den Kampf um das Frauenwahlrecht in 20 europäischen Ländern und stellt Portraits einzelner Frauenrechtlerinnen vor. Sie zeigt auf, weshalb die skandinavischen Länder zu Vorreitern wurden, während die Schweiz und Liechtenstein die Schlusslichter in Europa bildeten. Waren die Volksentscheide in diesen beiden Ländern eine Erschwerung für die Frauen?
Ausgestellt sind Fotos, Postkarten und Alltagsgegenstände wie eine Einkaufstüte und ein Finger-hut, auf denen die Frauen ihre Forderung nach dem Wahlrecht publik machten. Weiter veranschau-lichen Kunstwerke zeitgenössischer Künstlerinnen den Kampf der Frauenrechtlerinnen. Diese Kunstwerke thematisieren Macht und Ohnmacht von Frauen und bieten einen persönlichen Bezug zum Thema.
Abschließend wirft die Ausstellung einen Blick auf die Gegenwart. Gefragt wird, wie groß der Anteil von Frauen heute an den nationalen Regierungen ist und unter welchen Bedingungen sie an die Macht kommen. Die Ausstellung, konzipiert im Frauenmuseum Bonn, wird in Kooperation mit dem Frauenbüro der Stadt Oldenburg gezeigt.
Diese Ausstellung macht deutlich, so Museumsdirektor Dr. Friedrich Scheele, wie Frauen auf-grund der Erfahrung persönlicher Unterdrückung, durch Bewusstwerdung von Rechtlosigkeit in den Bereichen Familie, Bildung und Arbeit mit Macht die Stufen zur politischen Befreiung er-klommen, die schließlich zum Gipfel, dem Wahlrecht für alle Frauen führte.
1906 erhielten die Finninnen als erste Europäerinnen das Wahlrecht; 1984 bekamen es schließlich die Liechtensteinerinnen als letzte. Die Frauen, die sich über 100 Jahre für ihre politischen Rechte einsetzten, trafen auf sehr unterschiedliche Bedingungen. Ihr Vorgehen war teils diplomatisch – teils militant.
Die Frauen brauchten Mut, Ausdauer und Phantasie, um ihr Ziel zu erreichen. Dabei mussten sie viele Vorurteile und Verbote überwinden. Immer wieder erfanden Politiker unglaubliche Hindernis-se, um Frauen das Wahlrecht zu verweigern, so Kornelia Erhardt, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Oldenburg. In einigen Ländern mussten sie Bildung, ein höheres Alter oder den richtigen Zivilstand vorweisen, um wählen zu können. Männer waren von diesen Einschränkungen nicht betroffen.
Deutsche Frauen konnten vor 90 Jahren zum ersten Mal wählen im Januar 1919. Ihr Kampf war im Vergleich zu einigen anderen Ländern nicht besonders lang gewesen. Deutschland erhielt ebenso wie eine Reihe anderer mitteleuropäischer Staaten das Frauenwahlrecht um 1918, als sich in vielen Ländern ein vollständiger Umbruch vollzog. Im Zuge einer Revolution oder einer neuen Staats-gründung wurde das allgemeine Wahlrecht für beide Geschlechter eingeführt. Die Einbeziehung der gesamten Bevölkerung diente der Legitimierung des neuen Systems.
Quelle: Stadt Oldenburg – Pressestelle
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