Landkreis Peine: Kinder- und Jugendärztlicher Dienst informiert zum Tag der Logopädie
Pressemeldung vom 5. März, 2010, 11:27 am
Die Sprache ist wesentlich für die gesunde soziale und geistige Entwicklung eines Kindes. Sie ist ein wichtiges Mittel, um Beziehungen zu den Mitmenschen aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Zudem gliedert und strukturiert das menschliche Gehirn seine Gedanken und Erkenntnisse mit Hilfe der ungesprochenen Sprache.
„Wenn die Sprache nicht richtig funktioniert, ist dadurch der gesamte Mensch beeinträchtigt“, erklärt Kinderärztin Dr. Sabine Meltzow, Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes im Gesundheitsamt Peine. Ein eingeschränktes Sprachverständnis, die Störung der Lautbildung oder Anwendung der Grammatik, ein geringer Wortschatz oder die Störung des Redeflusses (Stottern) sind einige der bekannten Sprachentwicklungsauffälligkeiten
Weltweit haben durchschnittlich 7-8 Prozent aller Kinder Sprachentwicklungsstörungen, wobei Jungen 3 – 4 Mal häufiger als Mädchen betroffen sind.
Kinder, die mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter in ihrem aktiven Wortschatz haben, zählen, laut Dr. Meltzow, zu den sogenannten ‚Spätentwicklern’.
Über zwei Drittel dieser Kinder behalten verschieden stark ausgeprägte sprachliche Defizite oder soziale und geistige Einschränkungen.
„Mit vier Jahren muss ein Kind die Grundzüge seiner Muttersprache beherrschen“, erläutert Dr. Meltzow. Alle Laute sollten korrekt gebildet werden können. Ein Lispeln oder ‚s’ statt ‚sch’ sind in diesem Alter noch tolerabel. Die grundlegenden Regeln der Grammatik sollten jedoch spätestens mit vier Jahren beherrscht werden.
Für Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, gelten einige Besonderheiten. Denn Kinder können mehrere Sprachen gleichzeitig oder aber auch erst die eine und dann die andere Sprache lernen. Das Wichtigste ist, dass das Kind ein gutes Sprachvorbild hat und -mindestens – eine Sprache korrekt lernt. Gegebenenfalls kann es daher besser sein, dass ein Kind zunächst die Muttersprache seiner Eltern lernt, wenn diese das Deutsche nur unzureichend beherrschen. Umso wichtiger ist es für diese Kinder, dass sie frühzeitig eine Kindertagestätte besuchen und regelmäßigen Kontakt zu gut Deutsch sprechenden Familien haben.
„Es gibt keine allgemein gültige Skala, aus der hervorgeht, zu welchem Zeitpunkt eine Sprachstörung behandelt werden sollte“, betont Dr. Meltzow. Die Auffälligkeiten müssen in ihrer Gesamtheit und unter der Berücksichtigung des sonstigen Entwicklungsstandes des Kindes individuell beurteilt werden. Wenn allerdings ein 3 bis 4-jähriges Kind für Außenstehende kaum zu verstehen ist, ist dies unbedingt eine Therapieindikation.
Keinesfalls sollte generell bis zum Alter von vier Jahren abgewartet werden.
Sprechen lernt man durch Sprechen und Hören. Ein Kind, mit dem wenig gesprochen wird oder ein Kind, das nicht richtig hört, bekommt Probleme.
Wenn Eltern Auffälligkeiten feststellen oder sich Sorgen machen, sollten sie dies unbedingt von ihrem Kinder- oder Hausarzt prüfen lassen. Dieser wird eventuell einen HNO-Arzt hinzuziehen. Manchmal kann auch eine Vorstellung beim Sprachheiltag des Gesundheitsamtes hilfreich sein.
Quelle: Landkreis Peine
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