Göttingen-Weende: 30-mal drücken, zweimal beatmen
Pressemeldung vom 4. März, 2010, 1:09 pm
ILS-Kurs im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende. Bundesweite Vorreiterrolle.
Es kann jederzeit passieren: Herzkreislaufstillstand bei einem Patienten auf der Normalstation! Jetzt muss alles ganz schnell gehen. "Supra 1 zu 10 aufziehen! Herzdruckmassage!" ruft Mitarbeiterin Berit Janßen. Birgit Meister eilt hinzu und hilft ihrer Kollegin. 30-mal drücken, zweimal beatmen. Das ist die Faustformel bei einem Herzstillstand. Zu Hilfe kommen der Ambubeutel und wenig später der Automatisierte externe Defibrillator (AED). Ein weiterer Mitarbeiter wird angewiesen, die hausinterne Notrufnummer 1110 zu wählen, um das innerklinische Notfallteam von der Intensivstation zu alarmieren. Doch bis dahin muss weiter reanimiert werden. Und das kann anstrengend sein. "Puh!" seufzt Berit Janßen, nachdem Dr. Anne Lüers, Assistenzärztin in der Inneren Medizin, die Übung im Dachgeschoss von Haus 6 beendet.&edsp;
Janßen und Meister sind zwei von 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des so genannten "Immediate-Life-Support-Kurses" (ILS-Kurs) im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende. Im Januar wurde der Kurs für medizinisches Fachpersonal bereits zum dritten Mal angeboten. Bei dem Kurs werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in lebensrettenden Sofortmaßnahmen ausgebildet, bis das innerklinische Notfallteam von der Intensivstation beim Patienten eintrifft. Im Kurs werden die wesentlichen lebenserhaltenden Maßnahmen unter professioneller Anleitung aufgefrischt.&edsp;
Anschließend folgt die Manöverkritik in der Gruppe. "Gut war die schnelle Reanimation und Infusionsgabe", sagt Instruktorin Dr. Anne Lüers. "Ihr habt alles sehr strukturiert durchgeführt, euch nicht ablenken lassen und klare Anweisungen gegeben." Lüers hat aber auch Kritikpunkte parat: "Es wurde nicht sofort an den AED gedacht, außerdem hättet ihr mehr Hilfe dazu holen können. Dann wäre es auch nicht so anstrengend gewesen."&edsp;
Im großen Seminarraum nebenan sieht es ähnlich aus. Angenommen wird, dass ein Patient im Bett in der Radiologie-Abteilung auf seine Untersuchung wartet. Eine Mitarbeiterin merkt plötzlich, dass der Patient bewusstlos ist. Jetzt beginnt auch hier das Planspiel. Erik Günther, Medizinisch-technischer Radiologieassistent, und Laura Heyden, Assistenzärztin in der Anästhesie, beginnen mit der Wiederbelebung. Instruktor Marc Jipp und Dr. Roswitha Lubjuhn beobachten genau, wie die Übungsteilnehmer an dieses Szenario herangehen. "Der Blutdruck ist 70, systolisch", sagt Christin Schmid, die normalerweise auf der Intensivstation arbeitet. Nach zehn Minuten ist auch diese Übung vorbei, der Patient, dessen Rolle eine hochmoderne Puppe übernimmt, ist wieder bei Bewusstsein. "Ihr habt den Kreislaufstillstand schnell erkannt. Besser wäre es noch gewesen, wenn ihr das Kopfkissen weggenommen und ein Brett unter den Körper gelegt hättet", so Jipp. "Aber im Großen und Ganzen war das sehr gut."&edsp;
"Wenig Theorie, viel Praxis"
Insgesamt standen den 24 Teilnehmern sieben Trainer zur Seite. "Wenig Theorie, viel Praxis", fasst Kursleiter Dr. Horst Wagner-Berger, Leitender Oberarzt der Abteilung Klinische Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, zusammen. "Wichtig ist vor allem die schnelle Erkennung einer lebensbedrohlichen Situation beim Patienten." Wagner-Berger war es auch, der im März 2009 den ersten ILS-Kurs in Südniedersachsen durchführte – im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende. "Nur wenige Krankenhäuser bieten solche Kurse an, wir gehören da deutschlandweit zu den Vorreitern", so Wagner-Berger. Bei den Teilnehmern kommt dieses Engagement gut an, wie man auch der Evaluation entnehmen kann. Hier wird nicht nur die starke Praxisbezogenheit, sondern auch das "nette Klima" im Kurs von vielen positiv hervorgehoben.&edsp;
Erkennen eines drohenden Kreislaufstillstands sowie dessen Vermeidung, Betreuung von kritisch kranken Patienten in den ersten Minuten ohne unmittelbare fachliche Hilfe, Herz-Lungen-Wiederbelebung: Die Kursinhalte werden in kurzen Referaten sowie Übungen in Kleingruppen mit bis zu sechs Teilnehmern vermittelt. Hierbei wird speziell Rücksicht auf lokale Gegebenheiten im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende genommen. Der Kurs wird nach einem europaweit einheitlichen Standard durchgeführt und zertifiziert. Er richtet sich nach den Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC). Dieses befasst sich wissenschaftlich mit der Wiederbelebung und mit kardiologisch instabilen Patienten.&edsp;
Alle Instruktoren, auch im EKW, arbeiten ehrenamtlich. Das Krankenhaus übernimmt die Kursgebühr für die Teilnehmer. Die erfolgreiche Kursreihe wird fortgesetzt.
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Quelle: Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH
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