Pressemeldungen aus Niedersachsen





Cuxhaven: Forschungen zur bronzezeitlichen Ringwallanlage in Cuxhaven-Duhnen Beginn der diesjährigen Grabungskampagne

Pressemeldung vom 20. August, 2009, 9:33 am

Cuxhaven. Rund 300 Meter von der Nordseeküste entfernt befindet sich in der Duhner Heide bei Cuxhaven eine außerordentlich gut erhaltene frühbronzezeitliche Ringwallanlage von rund 40 Metern Innendurchmesser und vorgelagertem Sohlgraben.

Seit 2001 führt die Archäologische Denkmalpflege der Stadt Cuxhaven in Kooperation mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen eine Forschungsgrabung im Umfeld der bronzezeitlichen Ringwallanlage von Cuxhaven-Duhnen durch. Auch in diesem Sommer startete wieder eine Grabungskampagne. Am Mittwoch, 19.08.2009, wurde in einem Pressetermin vor Ort über den Ablauf der Grabungen sowie die bisherigen Untersuchen informiert.

Im Zuge seiner großangelegten Studien zu den Befestigungsanlagen in Niedersachsen hatte Carl Schuchhardt im Jahre 1905 auch den Duhner Ringwall untersucht. Die Anlage wurde vermessen und der ehemalige Torbereich freigelegt. Trotz ausbleibender Funde datierte Schuchhardt die Anlage unter Berufung auf ihre Größe und Gestaltung in die sächsische Zeit (etwa ins 6. Jh. n. Chr.). Verschiedene topografische Aspekte und benachbarte Fundplätze ließen Zweifel an Schuchhardts Zeitansatz aufkommen.
Neben Ausgrabungen im Wall- und Grabenbereich der Anlage, die Aufbau, Bauweise und Zeitstellung klären sollten, wurden auch Teile des Innenraumes untersucht, um die Frage einer möglichen Innenbebauung zu beantworten. Darüber hinaus fanden archäologische Untersuchungen auch an Denkmalen statt, die der nachringwallzeitlichen Nutzung des Areals zuzurechnen sind.
Die kreisrunde Anlage besteht aus ei­nem Hauptwall und einem deutlich kleineren Vorwall, die durch eine Berme voneinander getrennt sind. Der Hauptwall besaß den Forschungen Schuchhardts zufolge einen nach Osten gerichteten Eingang, der mit Grabungsbeginn aber nicht mehr zu erkennen war. Der Vorwall, wie auch ein kleiner vorgelagerter Graben, ist nur noch nordwestlich und südlich der Anlage im Gelände zu erkennen. Radiometrische Datierungen im Rahmen der neuen Forschungen ergaben für die Wallanlage ein deutlich höheres Alter als in der Vergangenheit angenommen. Es ist von einer Entstehung bereits in der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. auszugehen.
Neben der Ringwallanlage selbst wurden auch Teile der Innenfläche archäologisch untersucht. Dabei konnten Spuren einer jungsteinzeitlichen Besiedlung des Platzes in Form von Resten der Steinbearbeitung nachgewiesen werden. Vergleichbare “Werkplätze” zur Herstellung von Steingeräten sind im Cuxhavener Geestbereich dem Mittel- bis Endneolithikum zuzuordnen. Während sich dort jedoch ausschließlich Steinabfall und mitunter auch Werkzeuge fanden, konnten im Innenraum des Ringwalles daneben einige tiefstichverzierte Tonscherben aufgedeckt werden. Tiefstichverzierte Keramik ist im Raum Cuxhaven vor allem aus Gräbern bekannt, die die Forschung der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur zuordnet. Die Werkplatzreste aus dem Innenraum sind damit erheblich älter als der bronzezeitliche Ringwall und belegen, dass dieser Platz bereits lange vor dem Ringwall genutzt worden ist.
Aber nicht nur die Wallanlage selbst ist von Bedeutung, auch mehrere kleine Hügel innerhalb und außerhalb des Walles ließen vermuten, dass es sich um Grabanlagen handelt. Zwei dieser kleinen Hügel wurden zwischenzeitlich untersucht und ihr Grabcharakter bestätigt. Sie liefern einen Beleg dafür, dass das Areal der durch die Zeiten im Gelände sichtbaren bronzezeitliche Wallanlage auch in späteren Jahrhunderten, speziell in der vorrömischen Eisenzeit, wiederholt aufgesucht und für Bestattungszwecke genutzt worden ist. Unter dem ebenfalls als Plaggenkonstruktion errichteten Hügel im Innenraum der Anlage konnten Reste eines eisenzeitlichen Scheiterhaufengrabes erfasst werden, das in das 2. Jh. v. Chr. zu datieren ist. Diese Bestattungsform ist für diesen Zeitraum im Gebiet östlich der Weser bislang nicht bekannt und daher äußerst bemerkenswert.

Quelle: Stadt Cuxhaven – Pressestelle

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