Bad Lauterberg:Harzer Sonnenseite Niedersachsens schönste Bergwelt

Pressemeldung vom 22. Juni, 2009, 3:09 pm

Bad Lauterberg: Durchgängig neu ausgeschildert – der Karstwanderweg durch den Südharz blüht auf – manchmal trifft der Wanderer die Karstkönigin

Wo Orchideen und Fledermäuse warten

Von Förste bei Osterode bis Pölsdorf im Kreis Sangerhausen ist der mehr als 250 Kilometer lange Karstwanderweg jetzt mit einem weißen K auf rotem Grund einheitlich ausgeschildert. Gerald Dehne, Vorsitzender des Fördervereins für den bundesweit bekannten Weg, steht in Neuhof bei Bad Sachsa am nachgebauten Gipsbrennofen und freut sich. „Bald haben wir einen anerkannten Qualitätswanderweg“, betont der Mineraloge.

Der Weg für die (Wander-)Zukunft wurde nach der Grenzöffnung von Sachsen-Anhalt aus in den Westen weitergeführt. Ende der 90er Jahre war das schöne Wanderprojekt dann aber schnell wieder überwachsen. „Niemand kümmerte sich mehr darum“, erinnert sich Dehne. Jetzt blüht alles auf, auch dank der drei Karstmajestäten. Die Königin und die beiden Prinzessinnen kommen aus je einem der drei beteiligten Landkreise Osterode, Nordhausen in Thüringen und Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt.

Dehne steht noch vor dem alten Brennofen und erzählt von den vielen, wertvollen Stopps am Wegesrand, die jetzt vorhanden sind. „Einmal im Jahr schichten wir darin Buchenholz und Gipsgestein auf und produzieren bei 1000 Grad aschehaltige Gipssteine“, erläutert der Mineraloge aus Bad Sachsa. „Wir sind hier im ehemaligen Gipsabbaugebiet, das meiste ist rekultiviert“, fügt er hinzu.

Der Weg ist voller Abwechslung, das macht seinen Reiz. Schon die Zisterziensermönche des nahen Klosters Walkenried, an dem der Weg dann vorbeiführt, nahmen die so gebrannten Gipssteine für den Bau ihres Heiligtums. In dem befindet sich heute eines der modernsten Museen Europas zum Mittelalter. Und es gibt Führungen bei Kerzenschein, Konzerte und Lesungen. Die Mönche wussten damals die nahen Kranichteiche zu nutzen – für ihre Fischzucht. „Einmal pro Woche aßen sie Fisch“, erzählt Dehne. Die Teiche entstanden, weil das Wasser den Gips löste, dann Tonboden hineinspülte, der alles abdichtete. Der Weg führt eindrucksvoll daran vorbei.

An der Priestersteinhöhle nebenan steht eine Holzbank. Wer sich da hinsetzt, kann auf die Fledermäuse warten, die im Dunkeln darin herumhängen und ab und an auf Beutezug gehen. Eine Tafel erläutert die stattliche Vielfalt der Vögel in dem Gebiet. Vor allem aber kommen Pflanzenliebhaber auf ihre Kosten. Das Bittere Kreuzblümchen, das hier wächst, steht sogar auf der Roten Liste. Knabenkraut und blauer Fransenenzian blühen. „1200 Exemplare habe ich hier oben gezählt“, schwärmt Herbert, ein Wanderer, der auf dem Weg Richtung Osten unterwegs ist. Er erzählt dann von den großen Orchideen, die er an verschiedenen Stellen schon gefunden hat. Der Boden liefert beste Voraussetzungen für den Wuchs dieser beliebten Pflanzen.
Der mehr als 100 Kilometer lange Gipsgürtel im Südharz ist einmalig in Deutschland. Während in der Schwäbischen und Fränkischen Alb der Karst aus Kalk und Dolomit besteht, tritt im Südharz Calciumsulfat, also das mineralische Gestein Gips, an die Oberfläche. Gips ist ungefähr hundertmal leichter löslich als Kalk. „Zwei Gramm pro Liter lösen sich beim Gips“, erläutert Dehne, der promovierte Mineraloge, der auch Gutachten über die Lagerstätten anfertigt. Die Schmelzwässer der letzten Eiszeit haben den Südharz in diese Form gespült. 2000 Hohlformen und mehr als 200 Höhlen sind entstanden.

Von einem kleinen Jägerstuhl reicht der Blick über die Felder und Hügel bis zum Kyffhäuser in Thüringen. „Ach, und dann wieder diese herrlichen Kalkbuchenwälder“, schwärmt Herbert. Buche, Esche, Linde und Ahorn bieten an der Karstkante im Harz einen wohltuenden Kontrast zu den weit verbreiteten Nadelhölzern im Oberharz.

Und wer etwas Glück hat, trifft auf dem 250 Kilometer langen Weg sogar Bianca Müller aus Walkenried – sie ist bis 2010 Karstkönigin. Die 22-jährige Verwaltungsfachangestellte ist stolz auf ihren Nebenjob. „Wen ich da schon alles kennen gelernt habe“, schwärmt sie. Die Botschafterin des Weges und des Südharzes hat schnelle Hobbys wie Snowboard und Motorrad. Doch nach Wandern steht ihr noch öfter der Sinn. Mit Schärpe und Krone geschmückt trägt sie Freizeitkleidung mit Wanderstiefeln, wenn sie auf dem Karstwanderweg unterwegs ist. Und das schönste: Sie kann genau erklären, was Karst ist.

Informationen
Allgemeines: Der Karstwanderweg erschließt auf rund 250 Kilometern Wegstrecke die Naturlandschaft in den Landkreisen Osterode am Harz in Niedersachsen, Nordhausen in Thüringen und Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. Das westliche Ende ist in Förste im Sösetal bei Osterode am Harz, das östliche in Pölsfeld bei Sangerhausen. Es gibt Schleifen, das sind Rundwanderwege von 6 bis 15 km Länge, meist um einen Parkplatz, www.karstwanderweg.de
Auskunft: GästeServiceZentrum der Harzer Sonnenseite, Ritscherstr. 4, 37431 Bad Lauterberg im Harz, Tel. (05524) 9204-0, Fax 5506, E-Mail: info@harzer-sonnenseite.de, www.harzer-sonnenseite.de

Quelle: Touristinformation und Gäste Service Zentrum – Pressestelle

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Kategorien : Osterode am Harz