Bad Lauterberg im Harz: Warum die Wiege Englands im Südharz steht

Pressemeldung vom 22. Juni, 2009, 3:26 pm

Bad Lauterberg im Harz. Wer in der Nähe der barocken Gartenanlage Herrenhausen in Hannover das zugehörige Schloss sucht, kommt zu spät oder zu früh. Die Sommerresidenz der Welfen wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. In einigen Jahren soll sie wieder aufgebaut sein. Doch innen hing eine acht Meter lange Jagdtapete, die einem zu Herzen geht. Das hat drei Gründe, die sich bis in den Südharz ziehen – und bis zum englischen Thron.
Zunächst: Die Tapete von 1650 ist im Original erhalten, denn sie wurde rechtzeitig vom Schloss entfernt und gerettet. Heute hängt sie im Fürstenhaus an den Herrenhäuser Gärten in Hannover und ist in dem Museum zu bewundern. Sie gehört zwar dem Prinzen Ernst August von Hannover, Mann der monegassischen Prinzessin Caroline, aber er hat sie als Leihgabe für jeden zugänglich gemacht. Das geht zu Herzen.
Dann ist darauf nicht irgendeine Jagdszene abgebildet, nein, die Tapete ist eine lebensgroße Erinnerung der Söhne an ihre Mutter, der Herzogin Anna Eleonore (1601-1659). Nach dem Tod ihres Mannes 1641, des welfischen Herzogs Georg von Calenberg, lebte sie allein als Witwe auf Schloss Herzberg im Südharz. Oft hat sie sich die so naturgetreuen Details angesehen und geschluchzt. Da lässt in einer Szene ihr Sohn Christian Ludwig einen Falken steigen. Darunter trompeten die Soldaten. Ergreifende Details gibt es viele. Heute stellen sich Menschen digitale Bilderrahmen auf, in denen viele Bilder ihrer Lieben vorbeiziehen. Damals ließ man sich eine Tapete malen. Und die lebt bis heute fort.
„Das geht zu Herzen“, sagt die Museumsführerin im Welfenschloss Herzberg, wenn sie liebevoll von der Familie erzählt. Dort hängt eine Nachbildung der berühmten Jagdtapete. Sie entstand in den Räumen des Schlosses und wurde 1708 nach Hannover transportiert. Denn Anna Eleonore war so etwas wie die Mutter Hannovers und Englands, der Harzort Herzberg die Wiege der zugehörigen Königshäuser.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Anna Eleonore, von der im Schloss Herzberg nur ein Miniaturbildnis hängt, hatte vier Söhne und vier Töchter. Sophie Amalia heiratete als „gute Partie“ den dänischen König Friedrich III. Annas Sohn Christian Ludwig, der mit dem Falken auf der Tapete, ließ nicht nur den reich verzierten Uhrenturm auf Schloss Herzberg bauen, er regierte auch Calenberg südlich von Hannover. Der kräftige, schwarzhaarige Sohn Georg Wilhelm schließlich residierte mit barocker Pracht in Celle. Und Sohn Ernst August erlangte 1692 die Kurwürde für das Fürstentum Hannover. Fürs Herz ist wieder die Geschichte von dessen ältestem Sohn, der Georg Ludwig hieß und 1714 als Georg I. den englischen Thron bestieg.
Zwar regierte ein Hannoveraner nun England, aber er konnte kaum Englisch, unterhielt sich in Deutsch oder Französisch und war nicht so häufig in London anzutreffen. Pech hatte er auch mit seiner Frau, seiner Cousine Sophia Dorothea von Celle. Geheiratet wurde nur, um die Güter Hannover und Celle zu vereinigen. Georg Ludwig bevorzugte Mätressen, Sophia Dorothea den Grafen Philipp Christoph von Königsmarck. Als diese Liaison bekannt wurde, fand man den Liebhaber bald tot in der Leine. Die Ehe wurde aufgelöst, die Frau auf Schloss Ahlden in der Heide verbannt. Dort fristete sie 32 Jahre bis zu ihrem Tod ihr Dasein.
„Frauen hatten es ungleich schwerer früher“, stöhnt die Museumsführerin, die die Geschichte beim Rundgang durch Schloss Herzberg schon oft erzählt hat. Die Tapete aber konnte 1650, als sie gemalt wurde, diese Familiengeschichte nicht einmal andeuten.
Das Welfenschloss Herzberg hat noch weitere Themen zu bieten, die einem auch ein wenig zu Herzen gehen: Die Gewehrmanufaktur, die im 18. Jahrhundert europaweit bekannt war oder der Münzfund von Scharzfeld, bei dem 1985 im Garten eines Bauernhofs 400 Silberlinge des 1679 gestorbenen Eigentümers gefunden wurden. Die Orgel von Johann Andreas Engelhardt erklingt, 1000 Jahre Harzgeschichte mit der Entwicklung vom Urwald zum Wirtschaftswald mit Köhlern ist in Miniaturen nachgebaut. Und dann gibt es noch einen Höhepunkt eines früheren Bewohners: das Evangeliar Heinrich des Löwen als Nachdruck.

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Quelle: Touristinformation und Gäste Service Zentrum der Harzer Sonnenseite

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Kategorien : Osterode am Harz